Wenn Krokodile weinen

Zugegeben, es war ja auch schön. Mit der Oma ist der kleine Sailor gerne in die Stadt gegangen. Auch – und oft natürlich nur – wegen des Einkaufes. Und da war Karstadt in Lübeck ja über ein Jahrhundert schon erste Adresse und Anlaufstelle für die Dinge des täglichen Bedarfs.

Und Karstadt hat jetzt angekündigt, neben seinem Sporthaus auch das heimliche Stammhaus in der Breiten Strasse schließen zu wollen. Die einen sagen, aufgrund der hohen Mieten des externen Immobilieninvestors, der wiederum meint, aufgrund mieser Bilanzen, die eine Wirtschaftlichkeit abzüglich aller Lohn- und Nebenkosten nicht mehr ermöglichen. Wozu dann auch die Mietkosten zählen; ein Teufelskreis.

Weshalb in der Lübecker Innenstadt kaum noch jemand einkaufen will, liegt auf der Hand. Im Zeichen der verkehrsarmen Innenstadt lieferten sich die Ehrenamts-Politiker im Rathaus einen gigantischen Ideenkrieg um Maßnahmen zu entwickeln, grundsätzlich jegliche Autofahrer aus der Altstadt fernzuhalten und die wenigen, die dazu gezwungen sind, möglichst nachhaltig zu terrorisieren. Dass sich die Leute da lieber mit Onlineshopping beschäftigen und für die notwendigen direkten Einkäufe die sogenannte „grüne Wiese“ mit seinen Batterien kostenloser Parkplätze ansteuerten, macht Sinn und spart nerven.
Der wirtschaftliche Aufschwung dort wandelt den „CittiPark“ langsam zu einer „ShoppingCitti“, womit besagte Politiker aber auch nicht zufrieden sind und ihr Möglichste tun, im Sinne der innerstädtischen Händler zu beschränken und auszuschließen.

Und ausgerechnet die Lokalpolitiker, eigentlich überzeugte Sozialisten um den Bürgermeister Jan Lindenau, wollen jetzt „Karstadt retten“. Sicher – es geht um Arbeitsplätze.
Trotzdem nehmen viele Lübecker ihrer Stadtspitze diese Krokodilstränen nicht ab. Wer beschwert sich schon über ein Grab, das selbst gegraben wurde?
Gefordert wird eine Minderung der Miete – obwohl sowohl der angesprochene Investor, als auch alle Beteiligten wissen, dass sich die Situation für das Warenhaus nicht ändern wird. Nicht nur wegen der „grünen Wiese“. Sondern hauptsächlich wegen des Onlinehandels.

Wichtiger wären Überlegungen, was mit dem Komplex, mitten in der Lübecker Altstadtinsel, zukünftig geschehen soll. Es geht um die Frage der tatsächlichen Bedürftigkeit, nach Nachfrage und Möglichkeiten, entsprechende Angebote zu realisieren.

Ideen dafür sollen kursieren.

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Kam als Zukunftsreisender aus dem Jahr 1898 und lebt an der Wasserkante. Alles nur Satire - mere dansk end tysk! Bin karierter Hautfarbe und ein Tier!

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