Die Macht der blauen Haken

Macht fängt heute meistens im Internet an. Und wird dort mit Deutungshoheiten gewonnen. Und blaue Haken.

Steuern Medienunternehmen wie Twitter und Facebook Meinungen? Durchaus, wenn man Nutzern glaubt. Tatsächlich „steuern“ im Netz Algorithmen die Trends: durch kontextlose Analyse von Suchanfragen, Schlagworten, Seitenaufrufen und Bewertungen. Die Nachfragen steuern das Angebot. Sowas fürchtet die Realpolitik.

Aber auch die politischen Ränder ziehen lieber die Kontrolle vor. Mit Beeinflussung und Manipulation lassen sich schneller Deutungshoheiten auf dem Weg zur Macht erringen. Die Deutschen haben damit traditionelle Erfahrung. 

Beispielhaft ein Tweet der Linksrassistin Schick. Hier die Aufforderung an einen Nutzer, sich „zu löschen“. Und durchaus eine Aufforderung zum Suizid; obwohl hier eher nahegelegt wird, den eigenen Account zu löschen.

Wer nun meint, dass auf Twitter gleiches mit gleichem vergolten wird, wird eines besseren belehrt.

Ein andere Nutzerin, die diesen Tweet fast wortgleich an Sibel zurücksendete – wurde bis dato komplett gesperrt. Ob es an der Rasse, dem Geschlecht oder der Religion liegt, anders zu bewerten – wir wissen es nicht. Wir dürfen jedoch mindestens ahnen, dass es an den blauen Haken liegt. 

Wer über diese blauen Haken verfügt; überwiegend Personen des öffentlichen Lebens oder mindestens des öffentlichen Interesses (Influencer, Politiker ab Kreisebene, Pornosternchen) verfügt auf jeden Fall über die Deutungshoheit in eigener Sache. Und ein Stückchen mehr. Wie das Beispiel oben andeutet.

Wer wirklich uneingeschränkte Reichweiten nutzen möchte, sollte also ungleiche Multiplikatoren vermeiden, denn die bremsen unter Umständen aus. Im Zweifel verspricht die Strategie, Accounts mit blauen Haken zu vermeiden, eventuell grundsätzlich sogar zu blocken, interessante Effekte. Wer weiß.

 

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